100. Geburtstag - 03.04.2006



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Stationen meines Lebens

Gernrode im Harz - September 1984 - 30.6.1990


Das Altersheim liegt im Hagenthal, umgeben von den Wäldern des Harzes.
Unsere Eltern bekommen ein vergleichsweise großes Zimmer im Nebengebäude,
aber nun gilt es, nach den vielen Räumen in Görschen , diesen einen Raum zweckmäßig
als Wohn- und Schlafzimmer zu gestalten.
Gottfried gelingt es, einen großen Schrank, den er zerlegt in seinem kleinen Trabi beförderte,
so als Raumteiler hinzustellen, daß dieser eine Raum etwas geteilt und damit ganz gemütlich wird.
Vati hat seinen Farbfernseher, den er zu seinem 80.Geburtstag geschenkt bekommen hat
und freut sich über die gemütliche Wärme und die schönen Tierfilme.
Mutti hat ihren Schreibtisch vor dem Fenster, davor steht das Sofa und der kleine Tisch.
Unsere Eltern sind zufrieden und unsere Mutter kann sich nach den Auszugsstrapazen etwas erholen.
Sie bekommen täglich ein frisch gekochtes, schmackhaftes Mittagsessen, das im Speiseraum serviert wird
und Vati übernimmt das Tischgebet.
Beide lieben den Spaziergang auf den Waldwegen, die so nah und gut zu erreichen sind.
Wieder kommen die Kinder, die Enkel und Verwandte zu Besuch, und bei aller Freude darüber,
wird es dann auch mal zuviel. So betet unsere Mutti im Morgengebet: "Lieber Gott, bitte heute mal keinen Besuch".
Dabei werden sie von manch anderem Heimbewohner beneidet, der eben selten oder gar keinen Besuch bekommt.
Aber auch hier gibt es für unsere Eltern noch manch große Sorgen um die Probleme ihrer erwachsenen Kinder.
Wenn uns unsere Eltern in Nürnberg besuchten, erfuhren wir davon.
Eine Frage bedrückte unsere Mutter im Laufe der Zeit besonders: "Was soll werden, wenn der Vati pflegebedürftig
wird oder gar stirbt? Kannst du dann schnell genug von Nürnberg kommen?"
Noch gab es die Grenze und die Einreise in die DDR war nicht immer einfach.
So hatte ich hier ein neu eröffnetes Seniorenheim in Nürnberg entdeckt und unseren Eltern vorgeschlagen,
doch hierher umzuziehen, aber unsere Eltern entschieden zu bleiben.
1989 wurde unser Vater 85 Jahre alt ...



... und das feierten wir in Berlin-Friedrichshagen , wo unser Bruder Christoph Pfarrer war und mit seiner Familie wohnte.
Am Tag danach aber fand unser Bock`sches Enkeltreffen statt, an dem neben unseren Eltern auch Tante Christel
teilnehmen konnte.



Unsere Mutter hatte zu diesem Treffen ein Lied-Text gemacht, in der letzten Strophe hieß es sinngemäß:

Ostpreußen ist ein schönes Land mit Wäldern und mit See`n
und wer dort seine Heimat fand, der wollte nicht weg gehen.
Doch unsre Eltern mussten fort, der Krieg hat sie vertrieben
Uns ist nur die Erinnerung - Erinnerung geblieben


Wer von uns ahnte damals am 1. Juli 1989 vom Ende der Mauer, vom Ende der Teilung Deutschlands?