100. Geburtstag - 03.04.2006



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Stationen meines Lebens

Potsdam Juni 1953 - Juli 1963


Unser Vater wurde als Provinzialpfarrer der Brandenburgischen Frauenhilfe nach
Potsdam berufen und so zogen wir aus der kleinen, märkischen Stadt Dahme in die
Großstadt Potsdam.
Dort wohnten wir wir ganz nah am Park von Sanssouci und, statt des kalten Pfarrhauses
von Dahme, in einer großen Wohnung mit Zentralheizung.
Für uns Kinder gab es nun neben der reizvollen Umgebung mit den Havelseen,
viel kulturelle Angebote und die S-Bahn- Verbindung nach Westberlin.
Für unsere Mutter war es keine leichte Zeit, denn nun begannen bei den
großen Kindern die Hochzeiten, die Taufen, die Enkelkinder und immer noch, fast jedes Jahr,
die Konfirmationen der Jüngeren.
Im August 1955 heiratete Marie-Anne den Pfarrer Werner H e i n k e und am 6.Mai 1956
feierten unsere Eltern ihre S i l b e r h o c h z e i t.

   

Heute können wir nur staunen, wie unsere Eltern neben all ihrer Berufstätigkeit diese
Anforderungen aushielten. Es ging sehr lebhaft bei uns zu, denn jeder von uns brachte noch
seine Freunde mit und meist wurde auch noch in einigen Räumen Musik gemacht:
mit dem Klavier, mit dem Horn, mit der Mundharmonika und der Ziehharmonika.
Eine Dame, die unsere Mutter besuchte, fragte entsetzt: "Wie halten Sie denn das aus,
ich würde dabei verrückt werden."
In all dem Trubel und den Verpflichtungen hat unsere Mutter aber ihre Erzählungen und
Bücher geschrieben. Die Ernährung war schwierig, es gab ja noch Lebensmittelkarten und es
musste für 11 Personen gekocht werden. Es gab noch keine Waschmaschine und Gott sei Dank
noch keinen Fernseher. Nur ein zusammengebasteltes, etwas asthmatisches Radio.
In Potsdam erlebten wir den 17.Juni 1953 mit all seinen Folgen und den Verhaftungen
und Verfolgungen der Jungen Gemeinde. Es waren politisch sehr kritische Zeiten
bis hin zum Mauerbau im August 1961.
Unser Bruder Peter war als Hornist am Hans-Otto-Theater in Potsdam beschäftigt
und hatte 1958 geheiratet. Seine kleine Familie wohnte auch ganz nah an Sanssouci
und unsere Eltern hatten ihre Freude am ersten Sehmsdorf-Enkel Peter-Johann.
Es war für sie ein schwerer Schlag, als sich Peter entschied, aus beruflichen Gründen
nach Westdeutschland zu gehen. Das war die große Fluchtwelle der Menschen aus der DDR,
die erst mit dem Mauerbau endete.
Nach 10 Jahren Dienst als Provinzialpfarrer wollte unser Vater noch einmal in einer Gemeinde
tätig sein und so wurde er im Juli 1963 Superintendent im Kirchenkreis Osterfeld-Droyssig.