100. Geburtstag - 03.04.2006



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Stationen meines Lebens

Stein 1990 - 2000


Die Dramaturgie des Jahres 1989 kann man in kurzen Sätzen nicht beschreiben
jeder von uns hat sie auf seine Weise erlebt.
Für unsere Eltern wurde es doppelt dramatisch!
Unser Bruder Eckhardt in Quedlinburg, der sich für 2 Jahre vom Pfarrdienst hatte befreien lassen,
bewarb sich jetzt um das Pfarramt in Gernrode, schon, um den alten Eltern nahe zu sein.
Aus unerklärlichen Gründen wurde seine Bewerbung abgelehnt, so musste er erneut darüber nachdenken,
wohin er gehen soll. Im Altersheim waren unserer Mutter inzwischen einige Unregelmäßigkeiten seitens der
Heimleitung aufgefallen und in ihrem Rechtsempfinden schrieb sie einen Brief an die Leitung der Diakonie in Berlin.
Die Atmosphäre im Heim war gestört und Eckhardt sagte: "Mutti, dann könnt ihr hier nicht mehr bleiben, ich kümmere
mich um ein anderes Heim für euch."
Unsere Mutter entschied: "Wenn noch einmal umziehen, dann nach Nürnberg"
Als wir dann zum 3. April 1990 zu Muttis Geburtstag aus Nürnberg kamen, setzte sich unser Vater vergnügt aufs Sofa
und sagte heiter: "Wißt ihr, was wir beschlossen haben? Wir wollen nach Nürnberg." Und Mutti präzisierte:
"Eine kleine Zweizimmerwohnung, möglichst in eurer Nähe und in der Nähe eines Altersheimes, für alle Fälle."
Vati reckte sich und sagte stolz: ".. und ich möchte noch mal schwimmen !!"
So machte ich mich auf die Suche und schon Ende April konnte ich unserer Mutter am Telefon sagen:
"Eure Wohnung ist im Goethering, daneben ist die Schillerstraße, Eure Kirchgemeinde heißt Paul Gerhardt
und vor dem Haus, in dem Eure Wohnung liegt, steht ein St. Michael.
Noch heute höre ich Muttis staunende Frage: "Was? Tatsächlich? Wie ist das möglich?"
Im Hersbt wollten die Eltern nun umziehen und für den Herbst hatte ich auch die Zusage für die Wohnung in der Seniorenanlage,
die tatsächlich auch über ein beheiztes Schwimmbad verfügte, doch die Ereignisse überschlugen sich.
Eckhardt schickte ein Telegramm: "Übersiedlung muß vor dem 1. Juli erfolgen, nur dann wird die Pension unseres Vaters noch
nach altem Recht vom Kirchenamt in Hannover übernommen. Dazu waren die Anmeldung der Eltern beim Einwohnermeldeamt
sowie die Postadresse und die Kontonummern nötig. Unsere alten Eltern kamen gerade aus Konstanz zurück, als sie gleich noch
zu Ämtern und der Bank mußten, sie taten das alles ohne Murren oder gar Seufzen!
Wie gut, daß wir in Nürnberg, in der Bernstädter Straße ein Gästezimmer hatten, das nun für unsere Eltern bis zu ihrem Einzug
in die Wohnung in Stein ein Zuhause wurde. Da ich noch voll berufstätig war, hat mein Mann Horst unsere Eltern betreut.
Im Mai 1991 konnten unsere Eltern im großen und festlichen Rahmen ihre Diamantene Hochzeit mit allen Kindern, vielen Enkeln,
Verwandten und Weggefährten aus der Potsdamer Zeit feiern.
Eindrucksvoll war der Gottesdienst in der schönen Kapelle des Hauses, der von den Theologen-Enkeln und unserem Bruder Christoph
gestaltet wurde und mit dem gesprochenen Segen unseres alten Vaters!
Am 27.Juni 1994 wurde unser Vater 90 Jahre alt und am 9.Oktober darauf schloß er für immer seine Augen.


In den 6 Jahren nach seinem Tod hat unsere Mutter bis zuletzt an allem Geschehen lebhaft Anteil genommen,
sei es in der Politik oder sei es bei den Ereignissen um ihre Kinder, Enkel und Urenkel. Sie hat einen regen Briefwechsel gepflegt
hat die Lebenserinnerungen ihrer Eltern gelesen und weitergegeben und, als sie merkte, daß ihre Kräfte nach ließen
ist sie auf eigenen Wunsch in ein Pflegeheim gegangen.



Das wurde noch eine schwere Zeit für sie, besonders die Schmerzen in den Nächten.
Sie bereitete sich bewusst auf das Sterben vor. Manchen Liedtext und manches Gebet haben wir miteinander gesprochen.
Am 10. September, in der Frühe des Sonntagmorgen durfte sie ohne Beschwerden sterben.

Beide Eltern haben auf dem neuen Fiedhof in Stein ihre letzte Ruhe gefunden.