100. Geburtstag - 03.04.2006



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Warnung an meine Kinder


Ich aber sage dir, geh` nicht dahin - wo hoch die Palmen übern Ufer ragen
auf daß sie nicht für immer dir den Sinn betören und in schwere Ketten schlagen,
auf daß der Duft der Wildnis, der so schwer von Tod und Zeugung niemals dich berühre
und dich von Menschenwort und-bindung hier- in Gottes weite, wilde Schöpfung führe.
Du findest niemals mehr den Weg zurück, du findest niemals mehr den Weg ins Leben
der großen Städte und zum kargen Glück, das dort nicht Sitte und Gesetz gegeben.
In deinen Träumen ist der Möve Schrei,in deinen Nächten ist des Urwalds Rauschen
Du gehst an Menschenleid-und lust vorbei und mußt dem Ruf aus weiter Ferne lauschen.
Viel Vögel fliegen übers graue Meer, viel Schiffe ziehn hinaus in blaue Weiten
des Menschen Sehnsucht wandert hinterher ujnd will mit tausend Segeln sie begleiten.
Ich aber sage dir, geh`nicht dahin, wo hoch die Palmen übern Ufer ragen,
auf daß sie nicht für immer dir den Sinn betören und in schwere Ketten schlagen,
auf das der Duft der Wildnis, der so schwer von Tod und Zeugung niemals dich berühre
und dich von Menschenwort und Satzung her in Gottes freie wilde Schöpfung führe.


Berlin-Lichterfelde, Juli 1940